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Die Garage von Surf-Star Robby Naish

Posted On April 14, 2016 at 11:23 am by / No Comments

Naishs Lieblingsbretter für die Straße: ein Porsche 911 von 1977. Für feinere Gefilde dient ein 911 Carrera S aus dem Jahr 2012.

Robby Naish steht in Shorts und mit nacktem Oberkörper im Wasser. Sein Element. Könnte man denken. Nur umspielt nicht etwa das lauwarme Wasser am Strand von Maui seine Knöchel. Die Windsurf-Legende mit 24 Weltmeistertiteln steht bei unserer Ankunft in seiner gefluteten Garage und schaut irritiert. Über Nacht ist der Brunnen wegen der defekten Wasserpumpe übergelaufen. Mal wieder. So ist das Leben im üppigen Grün an der Nordküste Mauis, abgekoppelt vom Versorgungsnetz. Da muss der Hausherr regelmäßig mit dem Wasserschieber ran und auch dafür sorgen, dass Tausende Liter Wasser per Lastwagen herangekarrt werden, bis der Brunnen repariert ist.

Aber bei einem 30 Hektar großen Anwesen mit unverstelltem Blick auf den Pazifik, Kokospalmen und Bäumen voller Bananen, Papayas, Zitronen und Limetten nimmt man solche Unannehmlichkeiten in Kauf. Vor elf Jahren sind Naish und seine Frau Katie in das von Wind und Wasser geprägte Paradies an der Nordküste von Maui gezogen. „Ich wollte ein Stück Hawaii kaufen“, sagt Naish, „bevor alles weg ist.“ Naishs Garage – eine Scheune aus grünem Wellblech – ist ein Mikrokosmos seiner Leidenschaften: Surfen und Autos. An den Wänden hat er neben eingerollten Segeln und Gabelbäumen Dutzende Surfbretter aufgereiht.

Jüngster Windsurf-Champion aller Zeiten

Historische Boards von Quicksilver – einige mit Porsche-Sponsoraufkleber –, Mistral und natürlich von Naish, seiner Firma, die der Surf-Pionier zu einem der größten Hersteller von Material zum Windsurfen, Kiten, Wellenreiten und Stehpaddeln aufgebaut hat. Naish begann im Alter von elf Jahren mit dem Windsurfen, nachdem die Familie – als er vier Jahre alt war – von Kalifornien nach Hawaii zog. Mit 13 gewann er den ersten Weltmeistertitel als jüngster Windsurf-Champion aller Zeiten. Keiner dominierte den Sport wie er, später prägte er das Kitesurfen und war an zahlreichen technischen Innovationen beteiligt.

Heute, mit 52, segelt er immer noch so oft wie möglich über meterhohe Wellen und durch die Luft, manchmal steigt er sogar noch für Wettkämpfe aufs Brett. Neben dem Surfmaterial, einem Traktor, einem Gokart und zwei Quads ist in der Scheune ausreichend Platz für Naishs andere Leidenschaft. Da ist der silbergraue 911 Carrera S, Jahrgang 2012, mit Sport Chrono Paket. „Was das Fahrgefühl gekoppelt mit Leistung angeht, ist Porsche eine Klasse für sich“, schwärmt Naish. „Ich liebe die Integrität des Designs, die Porsche über all die Jahrzehnte erhalten hat, und dass man mit dem Wagen ohne jegliches Umrüsten Rennen fahren kann. Jeder Hersteller fährt Rennen, aber was die anderen mit ihren Autos tun müssen, bis sie dazu in der Lage sind …“

Irisblaue Karosserie funkelt mit dem Pazifik und dem Himmel um die Wette

Daneben steht der 911 S, Baujahr 1977. Die irisblaue Karosserie funkelt mit dem Pazifik und dem Himmel um die Wette. Naish hat ihn 1987 in Kalifornien gekauft und baut ihn seitdem um. „Das Auto ist ein Bastard, nichts ist original.“ Er hat dem Elfer unter anderem einen Flachbau („slantnose“), einen Dreilitermotor (big bore) mit 169 kW (230 PS), einen Weber-Doppelvergaser, eine Rennkupplung und Simmons-Rennräder verpasst. Dass die Karosserie des 38-jährigen Elfers wie neu ist, hat vor allem damit zu tun, dass er wohlbehütet in der Garage steht und von Robby gepflegt wird wie seine Bretter.

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Surfer Robby Naish

Er startet den Motor und dreht eine Minirunde vor der Scheune. Ein Fasan trippelt verschreckt aus dem Gebüsch und verschwindet im hohen Gras. Naish hat den Wagen maximal 6400 Kilometer gefahren. Verkaufen? Niemals. „Selbst wenn er keinen Motor hätte – ich würde mich jeden Tag davorsetzen und ihn einfach anschauen.“ Seine Sportwagen so richtig ausfahren kann Naish aber nicht. Das ist der Fluch von Maui, der schönsten der acht Hawaii-Inseln: Mit 1883 Quadratkilometer Fläche ist sie nicht einmal so groß wie das Saarland und verfügt kaum über Strecken für Renner. Autobahnen gibt es nicht, die einzige Rennstrecke wurde vor zehn Jahren abgeschafft, und schneller als 90 km/h darf man eh nirgends fahren.

Route 37 führt zum 3000 Meter hohen Haleakalā-Krater

Meist sind sogar 55 oder weniger Vorschrift. Die paar Highways sowie die Straßen entlang der atemberaubenden Küste und die vielen kurvigen Bergstraßen sind stark befahren, von den Einheimischen und dahingondelnden Touristen. „Man kann hier nie eine Stunde lang schnell fahren. Aber man kann vielleicht eine Stunde fahren und dazwischen ein paar kleine aufregende Momente erleben, wenn man ungestört durch zwei, drei Kurven ziehen kann.“ Besonders empfehlen kann Naish, den seine ältere Tochter Nani zum Großvater gemacht hat, die Route 37, die sich zum 3000 Meter hohen Haleakalā-Krater hochwindet.

„Die fahre ich vielleicht ein Mal im Jahr hoch“, sagt Naish und blinzelt mit zusammengekniffenen Augen in Richtung Vulkan. Der Ärger mit dem Brunnen hat Naish hungrig gemacht. Er will essen gehen, uns vorher aber seine zweite Garage zeigen. Wir fahren hinter ihm und seinem 911 Carrera S durch viele Schlaglöcher zum Hāna Highway hinauf, dann geht es ein wenig flotter nach Haiku. In dem einfachen Dorf ist seine Firma Naish zu Hause, hier hat er ein weiteres, kleines Haus. Vor der Tür steht sein Ford F-650, ein Fünftonnenkoloss, den Naish lange tatsächlich täglich durch die Gegend kutschierte. „Ich mag Trucks, aber irgendwann war es dann doch lächerlich, überall damit hinzufahren.“

Naish ist schüchtern und introvertiert

Wenn er surfen geht, packt er seine Bretter und Segel in den unauffälligen schwarzen Chevy Sonic, der neben dem Monstertruck wie ein Spielzeugauto wirkt. Wiederum das Gegenteil von unauffällig ist der Wagen, der in der anderen Garage steht: ein knallgelber Evans Series One, Jahrgang 1991. Ein Rennwagen mit Straßenzulassung, von dem John Evans – ein Kleinserienhersteller in Scottdale, Georgia – nur zwei Stück produzierte. Er fahre ihn aber ganz selten, denn – und das ist der Widerspruch des jahrzehntelang im Rampenlicht surfenden, hunderttausendmal fotografierten und gefilmten Windsurf-Weltstars: „Ich bin schüchtern und introvertiert, nicht sehr gesellig und mag, ehrlich gesagt, nicht mal wirklich Leute um mich herum haben. Angesichts meines Fuhrparks würde man mich aber für einen total idiotischen Angeber halten.“

Er liebe halt Autos, sagt er schlicht. Am liebsten fährt er sie morgens um drei über die Insel, wenn die Straßen leer sind und ihn keiner sieht. Dass Robby Naish keine Bugwelle vor sich herschiebt, wird spätestens in Haiku klar. Der Mann – mit den sonnengebleichten Locken und tiefblauen Augen, dem durchtrainierten Körper in Shorts, T-Shirts und Flipflops das Urbild eines Surfers – grüßt die Leute freundlich. Zum Essen will er in den bescheidensten Schnellimbiss im Dorf, einem Chinesen mit McDonald’s-Einschlag, wo alles in Styropor serviert wird. Hier dreht sich keiner nach ihm um. Naish isst seinen Double Cheeseburger ’n Fries, dann geht’s weiter nach Ho‘okipa, zum wohl berühmtesten Windsurfstrand der Welt.

Ein herzliches Aloha

Tief hängende Wolken verdüstern jetzt den Himmel, bilden mit dem unruhigen Wasser eine wunderschöne wilde Palette aus Grau, Blau und Grün. Ein paar Wellenreiter treiben weit draußen auf ihren Brettern im Wasser, sonst ist nichts los. Naish parkt seinen 911 am Straßenrand, steigt aus und schaut auf den Pazifik hinaus. „Gestern kitete ich hier zwei Stunden lang mutterseelenallein, kein Mensch war auf dem Wasser – es war der Hammer. Das Wetter war richtig mies: Wolken, Regen, Böen, hohe Brandung, die Wellen waren dreimal so hoch wie jetzt.“ Ideale Bedingungen für einen Champion. Es fängt an zu tröpfeln. „Liquid sunshine“, grinst Naish und verabschiedet sich mit einem herzlichen Aloha. Dann steigt er in seinen Elfer und wartet geduldig, bis er ihn in eine Lücke im dichten Verkehr auf dem Hāna Highway steuern kann.

Info

Text erstmalig erschienen im Porsche-Kundenmagazin Christophorus, Nr. 375

Text: Helene Laube // Fotografie: Marc Urbano

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